Stille kennt keine Termine .....

Das Ultima Thule  Europas :

Kinnarodde mit Überschreitung des Nordkinns , A.D. 2002

Das Nordkinn, aufgenommen im Jahr 2000 von der "Nordkapp" der Postschiffahrtslinie "Hurtigruten". Der zum Betrachter hin vorgelagerte Fußpunkt ist die Kinnarodde, der nördlichste Punkt Festlandeuropas. Der Zugang erfolgt am besten von dem gut erkennbaren Trogtal des Nordwindkars aus. Den grünen Hang sollte man hinauf, will man das Nordkinn überschreiten. Doch mehr davon im nachfolgenden Bericht ......

Vorwort

Das Nordkinn – nicht das Nordkap - gilt in allen mir bekannten Beschreibungen als der nördlichste Punkt Festlandeuropas. Ganz genau genommen stimmt das allerdings nicht. Der nördlichste Punkt ist die Kinnarodde, d.h. der nördliche Fußpunkt des Nordkinn-Berges! Allerdings ist die Odde nur mit etwas Kletterei zu erreichen, weshalb man sich meist mit der Kuppe des Nordkinns oder auch mit dem Hochplateau östlich des Nordwindkars (links auf dem Bild) zufrieden gibt.

Meine letztjährige Trekkingtour zum Nordkinn hatte noch das Problem Kinnarodde offengelassen. In diesem Jahr wollte ich u.a. herausfinden, ob und wie die Kinnarodde zu erreichen und womöglich eine Überschreitung des Nordkinns von der Odde aus möglich ist.

Am 29. Juni 2002 gelang mir diese Gesamtüberschreitung von der Sandfjordbucht aus über Roren, dem Trogtal des Nordavindkardet (Nordwindkar), der Strandlinie entlang mit einigen Schwierigkeiten zur Kinnarodde und mit direktem Aufstieg zum Gipfel des Nordkinns und Rückkehr zum Trogtal. Vom Sandfjordtal aus ist dies eigentlich der "logische" Zugang, da er das steinige Hochplateau und den unangenehmen Abstieg durchs Nordwindkar vermeidet.

Anm.: Die Beschreibung erfolgt auf der Grundlage der Karten "Hopseidet" (Blad 2236 I) und "Mehamn" (Blad 2237 II) des Staatlichen Norwegischen Kartenwerks (Statens Kartverk). Digitale, zoombare Karten von Norwegen sind übrigens unter der Schaltfläche "Links" zu finden. Alle meine Koordinatenangaben erfolgen im UTM-System (Universale Transversale Mercatorprojektion) und im geodätischen Kartendatum WGS84 (World Geodetic System 1984) und sollten somit für jeden GPS-Empfänger anwendbar sein.

Hier mein Reisebericht ab Lakselv

1.      Tag (Donnerstag, d. 27.06.02)

Dieses Mal wollte ich eine Variante des Zugangs vom letzten Jahr zum Sandfjordtal finden. Nach einer Übernachtung auf dem Campingplatz Solstad bei Lakselv fuhr ich mit dem Bus frühmorgens Richtung Kjöllefjord. Bei strahlendem Wetter ließ ich mich am See Sandfjordvatnet (245 m ü. N.N.) absetzen.

Anm.: Den Begriff "Sandfjord" fand ich bisher an drei unterschiedlichen geographischen Orten, man sollte sich also nicht verwirren lassen; es gibt tatsächlich viele sandige Fjorde in Norwegen!

Am westlichen Ufer des Sees bei den Koordinaten 7871740 Nord und 35 523843 Ost begann ich meine Tour. Als anzusteuernde Landmarken hatte ich nach Studium der topografischen Karte Hopseidet (Nr. 2236 I) vier markante Koordinatenpunkte an Gewässern vorgesehen und in meinen GPS-Navigator eingespeichert. Ein derartiger Aufwand ist bei guter Sicht vielleicht unnötig, er sollte sich aber auf dem Rückweg bei dichtem Nebel als bitter nötig erweisen.

Am südlichen Ende des Björnviktuva geriet ich wieder in den Sattel, den ich auch letztes Jahr benutzte. Nun in westliche Richtung und dann nach Norden ein Kar hinauf in Richtung des südwestliches Ufers des östl. Björvikvatna. (vatna=Gewässer, See). Etwas links halten in Richtung des westl. Björnvikvatna und den Hang in Richtung der markanten Landzunge absteigen, bis man den grünen Streifen erreicht, welcher sich vom Sandfjordtal herabzieht (nicht zu verwechseln mit dem o.g. Begriff "Sandfjordvatnet"!!). Im Hintergrund sieht man in einigen Kilometern Entfernung das Eismeer. Am Punkt mit den Koordinaten 7881183 Nord, 35 521867 Ost das gut zu begehende grüne Tal rechts hinauf auf einen Sattel zu einer weithin sichtbaren Stange (7882431 Nord, 35 522381 Ost), der das Sandfjordtal nach Süden hin abschließt. Hier teilen sich die Strecken: eine geht in Richtung des Sandfjordtales, die andere etwa zum Björnviktuva . Dieses "etwa" ist wörtlich zu nehmen. Diesen Stangen ist nicht zu trauen, wie in meinem letztjährigen Bericht bereits ausgeführt; sie sind nur sporadisch aufgestellt und fehlen auf großen Strecken.

Nun das Sandfjordtal z.T. über Schneefelder abwärts. Solche Schneefelder sind sehr praktisch. Wenn sie aufgefirnt sind, kommt man schnell voran! Aber möglichst oben am Hang queren, da man infolge der Schräge leicht abrutscht. Die zwei Steinmännle am orographisch rechten Hang nicht beachten. An einem kleinen See schlug ich mein heutiges Lager auf (Koordinaten: 7883563 Nord, 35 522634 Ost).

2.      Tag (Freitag, d. 28.06.02)

Diesen Tag hatte ich vorgesehen, um einen alternativen Zugang zum Trogtal des Nordavindkardets (Nordwindkar) zu erkunden. Das Wetter war weiterhin ausgezeichnet, und ich verlegte daher mein Lager nur zweieinhalb Kilometer weiter talabwärts an einen namenlosen See, orographisch links des Baches (Koordinaten: 7886137 Nord, 35 523613 Ost, 164 m ü. N.N.).

Auf dem Weg zur Sandfjordbucht sieht man bereits von weitem die Absturzstelle einer zweiten Ju88 (s.a. Bericht aus dem letzten Jahr). 

Blick zum Sandfjord. Rechts hinten der Reipnakken. Der helle Fleck oberhalb des rechten Seendes markiert die Absturzstelle einer Ju88 aus dem Zweiten Weltkrieg.

Wie ich erfuhr, haben die drei Insassen überlebt, wenn auch verletzt. Fraglich ist mir, ob es tatsächlich nur drei Personen (ohne Bordschütze) waren, da eine Ju88 im Einsatz mit vier Personen besetzt war. Die drei Soldaten waren:

· Oberleutnant Helmut Lütgens (geb.. 22.11.1913); Kommandant und Navigator

· Staffelkapitän Kuno Gotthard (geb. 19.03.1913); Flugzeugführer,

· Stabsfeldwebel Willi Hillebrecht (geb. 27.11.1910); Funker/ Bordmechaniker/ Heckschütze.

Die Absturzstelle erkennt man zunächst nur an den heller gefärbten Steinen, die Wrackteile sind größtenteils geborgen. Die Koordinaten bestimmte ich zu 7887543 Nord, 35 523613 Ost.

Die Absturzstelle einer Ju88 im Sandfjordtal; die Maschine wurde im Oktober 2001 zur Restauration ins Flugmuseum Bodø per Hubschrauber abtransportiert.

Auf dem Weiterweg gelangt man zu einer topfebenen, steinlosen Ebene (hier ungewöhnlich), welche terrassenförmig zum Strand steil abfällt. Zum Strand sollte man sich – wie die Rentierspuren beweisen – ganz rechts halten, da der mittlere Teil Überhänge aufweist. Der Strand gleicht fast einem Badestrand. Weißer Sand, Sonne und Wellen. Nur die Rentierspuren und vielleicht auch die Temperatur erinnern daran, daß man nicht im Süden ist!

Der Weiterweg Richtung „Roren" erweist sich als relativ einfach. Allerdings liegen unglaubliche Mengen Abfall hier herum: Reifen, Plastik, Glas, Treibholz, Eisenkugeln(!), Flaschen, Taue usw. Nach kurzer Strecke sieht man den Berg Reipnakken und den Hang, welcher zum Nordwindklar hinaufführt. Da das alles soweit ganz gut aussah, verzichtete ich auf ein Weitergehen und ging zurück zum Sandstrand.

Von einer anderen auf der Karte eingezeichneten ehem. Siedlungsstätte direkt in der Bucht sind nur noch ein paar Balken im Geviert übrig. Wovon man hier wohl leben konnte?

Anschließend kehrte ich an der westlichen Seite der Bucht über die Terrasse zu meinem Lager zurück. Wenn man von hier telefonieren möchte, hat man allerdings Pech. Man muß auf die genau westlich gelegene Höhe 309 steigen, wenn es mit der 3-dB-Zusatzantenne gerade noch gehen soll. Über dem Reipnakken sah ich Wetterfahnen mit dem typischen leeseitigen Abbruch, was wohl auch hier einen Wetterumschwung ankündigt. Dieser Reipnakken gleicht tatsächlich einem Nacken. Der zughörige Kopf befindet sich ca. eineinhalb Kilometer südöstlich in Form des Reipnakktinden (tind=Kopf, südd. Grind(e)).

Blick vom Plateau vor der Sandfjordbucht. Die Wetterfahne über dem Reipnakken und die Nebelwand über dem Meer kündigen einen Wetterumschwung an.

Vor dem Sandfjord sehe ich ein Passagierschiff kreuzen. Durch Vergleich mit dem Fahrplan stelle ich später fest, daß es wahrscheinlich ein Schiff der norwegischen Postschiffahrtslinie „Hurtigruten" (s.u. „Links") ist, das täglich hier gegen 19 Uhr auf der Nordroute (Richtung Mehamn) vorbeifährt.

3.      Tag (Samstag, d. 29.06.02)

Nach dem Aufstehen am Morgen starker Nebel mit Sturm, aber kein Regen. Jetzt hieß es, sich zu sputen. Die Zeltheringe beschwerte ich sicherheitshalber noch mit Steinen.

Auf dem Weg zur Sandfjordbucht fand ich zufällig im Sandfjordtal einen Teil eines Flügels der oben erwähnten Ju88. Dieser Flügel liegt etwas versteckt, so daß er wahrscheinlich noch nicht entdeckt ist. Seine Länge schätze ich auf 1,60 m und sein Gewicht auf 70 kg. Seine Position bestimmte ich mit dem GPS-Navigator zu 7887605 Nord und 35 523405 Ost. Der Flügel liegt damit ca. 400 m (Pythagoras läßt grüßen!) von der Absturzstelle der Ju88 entfernt.

Über diesen Fund informierte ich inzwischen das Luftfahrtmuseum in Bodø. Man bedankte sich und wird versuchen, den Flügel noch in diesem Jahr (2002) zu bergen und zur Restauration wiederzuverwenden.

Teil des Flügels einer Ju88 im Sandfjordtal.

Weiter ging es nun Richtung der ehemaligen Siedlung „Roren". Trotz sorgfältiger Inaugenscheinnahme gibt sie mir noch immer einige Rätsel auf. Alles macht einen verfallenen Eindruck, ein Hafenbecken für die Erreichbarkeit von See her ist nicht auszumachen. Das Klohäuschen steht 45 Grad schief, nur der Deckel sieht noch fast neu aus. Eine sehr verrottete Hütte mit Lager steht noch, und merkwürdigerweise steht auch Geschirr im offenen Schrank; allerdings scheint es schon seit Jahrzehnten nicht mehr gespült worden zu sein. Man sieht noch die Grundmauern von zwei Gebäuden von den Maßen ca. 10mx5m, also sehr groß für hier.

Besterhaltener Teil der ehem. Ansiedlung Roren. Nirgends gibt es so viel Grün wie hier. Der Reipnakken hüllt sich in Wolken.

Wo eine Ansiedlung ist, muß es auch Süßwasser geben, dachte ich mir. Ein Brunnen kommt wegen der Höhe von 2 m über dem Meeresspiegel nicht in Betracht. Tatsächlich findet man auf der Karte ein Rinnsal vom Tal des Nordwindkars herkommend auf der Karte eingezeichnet. Beim Weiterwandern stellte ich allerdings fest, daß es dieses Wasser nirgendwo gibt, die Karte also nicht (mehr?) aktuell ist. Auf diesem gesamten Weg zum Nordkinn (und zurück) gibt es also kein Wasser, was man auf jeden Fall einkalkulieren sollte! Vielleicht ist das der Grund für die Aufgabe der Ansiedlung?!

Der Aufstieg über den grünen Hang - hier soll nach Karte das o.g. Rinnsal fließen - in das Trogtal des Nordwindkars bereitete keine Probleme.

Blick über den Sandfjord zur Böneset (nes=Nase oder Halbinsel)

Am Ende des Tales kam mir wieder meine Rentierherde vom letzten Jahr entgegen. Dieses Mal sah sie mich allerdings etwas früher, so daß der Überraschungseffekt jetzt wegfiel.

Jetzt muß ich mich entscheiden: entweder direkt zum Nordkinn oder zur Kinnarodde. Da der Nebel unten nicht ganz so dicht ist, entschließe ich mich zu letzterem. Die Strandlinie bis zur "Schlüsselstelle" kannte ich schon vom letzten Jahr, insofern rechnete ich mit keinen Schwierigkeiten. Nachher wird man weitersehen .....

Die Schlüsselstelle ist als kleine Bucht auf der Karte erkennbar, sie liegt ca. 100 m vor der Kinnarodde als dem nördlichsten Punkt. Als ich diese Bucht erreicht hatte, war guter Rat teuer. Die Wand ist einige Meter hoch und fast grifflos, weshalb ich doch Abstand nahm. Da fast jeder Berg eine schwache Stelle hat, suchte ich auch hier nach einer solchen. Ich fand heraus, daß es leichter sein müßte, links vor der Wand in das Schrofengelände einzusteigen und dann nach rechts zu queren. Gesagt, getan, und es war einfacher als ich dachte. Man muß sich allerdings an Steinen und Gras etwas festhalten und unter einem Felsvorsprung drunter durchschlupfen. Nachdem man die Schlüsselstelle hinter sich hat, ungefähr auf gleicher Höhe bleiben und nicht absteigen.

Teilansicht der Schlüsselstelle auf dem Weg zur Kinnarodde, dem nördlichsten Punkt Festlandeuropas. Der Einstieg befindet sich weiter links und ist hier nicht einsehbar. Die Querung erfolgt unterhalb der Steinmauer im linken oberen Viertel des Bildes.

Kurz darauf um eine Ecke, und endlich steht man an der heißerkämpften Kinnarodde. Der nördlichste Punkt Festlandeuropas war erreicht! Die Koordinaten bestimmte ich zu 7892379 Nord und 35 523710 Ost. Ganz Europa lag mir somit wenigstens einmal zu Füßen!

Solarzellenbetriebenes Leuchtfeuer auf der Insel Avlöysinga von der Kinnarodde her gesehen.

Bei einer Vesperpause sah ich mich etwas um. Mir gegenüber liegt die felsige Insel „Avlöysinga" (Ablösung). Sie ist vom Festland durch eine mehrere Meter breite kanalartige Rinne getrennt. Von hier geht im oberen Teil ein mit einem wacklig aussehendem Geländer versehener Steig zu einem Leuchtfeuer; solarbetrieben wie ich sehe! Von dem Felsen rechts hinter mir sieht man die Reste einer Stahltrosse mit seinem Gegenstück auf der Insel. Demnach muß hier mal eine Verbindung bestanden haben! Hinter mir sehe ich wie auf dem nachfolgenden Bild den felsendurchsetzten Grashang zum unteren Teil des Nordkinnsgipfels.

Teil des Aufstiegshanges zum Nordkinn. Die Höhe des Berges täuscht aus dieser Perspektive.

Und wie jetzt weiter? Nachdem mir mein Glück bisher hold war, entschließe ich mich zur Direttissima mit Start durch das Tor, welches durch die beiden oben angelehnten Felsen gebildet wird (im oberen Bild deutlich sichtbar). Dieses Tor erinnert etwas an das allseits bekannte "Heilbronner Thörle" des Heilbronner Weges.

Das ging auch ganz gut, bis man ungefähr in der Mitte in eine Region mit z.T. überhängenden Felsen gelangt. Sie lassen sich jedoch immer umgehen, indem man nach links ausweicht. Man kommt so in den Hang, welcher links der Schlüsselstelle heraufzieht. Den Steinen in den Grassoden ist nicht zu trauen, auch wenn sie bombenfest aussehen. Ein Riesenbrocken brach glatt heraus und polterte zu Tal.

Nach knapp einer Stunde stand ich im dichten Nebel auf dem Gipfel. Die Überschreitung der Kinnarodde war damit gelungen!

Anm.: Ich rate dringendst davon ab, die Überschreitung in umgekehrter Richtung, also vom Nordkinngipfel zur Kinnarodde zu versuchen. Jeder, der schon mal im Allgäu war weiß, daß bergabklettern von Grasbergen bei teilweisem Überhang mehr als leichtsinnig ist.

Der Nordkinngipfel im Nebel. Ansonsten könnte man das Meer sehen.

Jetzt brauchte ich nur noch ins Lager zurück. Zuvor wollte ich jedoch noch bei der Ju88 auf der Hochfläche vorbeischauen, welche seit 1943 dort ein trauriges Dasein fristet. Der Abstieg ins Trogtal des Nordavindskardet ist von der Westseite einfach. Das gräßliche Kar an der Ostseite des Tales überwand ich wie letztes Jahr problemlos an der äußersten linken Kante und steuerte auf die Ecke 8791067 Nord und 35 524003 Ost zu. Hier war ich wieder froh, daß ich noch einige Landmarken vom Vorjahr in meinen GPS-Navigator eingespeichert hatte, da die Sichtweite hier auf der Hochfläche kaum 50 m betrug. Als ich lt. Navigator den Liegeplatz der Ju88 erreicht haben mußte, sah ich ...... nichts. Entweder die Amis haben mal wieder im Rahmen der sog. Terroristenbekämpfung an der Selective Availability des GPS-Systems gedreht, oder die Ju88 ist weg .....

Sie ist tatsächlich weg! Ich sah es an den dunkel gefärbten Steinen, auf denen ich stand. Die Absturzstelle ist so sauber aufgeräumt und die Steine eingeebnet, daß man sie ohne genaue Kenntnis der Koordinaten wohl nur schwerlich wiederfände.

Inzwischen habe ich durch Birger Larsen vom Luftfahrtmuseum Bodø erfahren, daß die Maschine im Oktober 2001 zerlegt und per Lasthubschrauber der Armee zum Flughafen Mehamn und dann weiter ins Flugmuseum Bodø transportiert wurde. Hier und in Ungarn will man sie mit Teilen aus anderen Maschinen möglichst originalgetreu restaurieren und im Technikmuseum Berlin ausstellen. Letzteres war eine Vorabinformation und dürfte noch nicht anderweitig publiziert sein.

Im übrigen lassen sich Status und Fortgang dieser Arbeiten im Internet verfolgen: s.u. Links „Luftfahrtmuseum Bodø".

Absturzstelle einer Ju88 auf dem Hochplateau des Reipnakktinden. Man erkennt nur noch ein paar braune Steine.

Der Weiterweg war dank meinem GPS-Navigator problemlos. Müde, aber überglücklich erreichte ich wieder sicher mein Lager. Bevor ich mich zur Ruhe begebe, ein Blick aus dem Zelt: der Nebel ist nach wie vor da. Vielleicht ist es doch besser, wenn ich versuche, morgen den Bus zu erreichen. Sicherheitshalber stelle ich den Wecker meiner Armbanduhr auf 4:30 Uhr. In 5 Stunden müßten doch eigentlich die 14 km bis zum Ostebakkvatnet an der Straße 888 zu schaffen sein; schließlich kannte ich die Strecke bereits von letzten Jahr!

4.      Tag (Sonntag, d. 30.06.02)

Ich schaue aus dem Zelt: der Nebel ist noch dicker geworden, aber es regnet (noch) nicht. Bis zum Sattel im Abschluß des oberen Sandfjordtals ist die Strecke vorgezeichnet. Da mir über den Rand des Björnviktuva einige GPS-Wegpunkte fehlten, entschloß ich mich, direkt über den Gipfel zu gehen, da ich von da ab meine Wegpunkte vom letzten Jahr noch hatte. Mit einer Verbesserung der Sicht von vielleicht 50 m rechnete ich nicht. Diese ca. zwei Kilometer Luftlinie(!) erwiesen sich als ungeahnt zeitraubend. Es geht bergauf und bergab, über Schneefelder, man muß balancieren und Steinquader überspringen. Manchmal steht man vor Steinwällen oder Seen, die man umgehen muß. Als es auch noch zu regnen anfing, protestierte mein Kompaß, indem er zu klemmen anfing. Ich stellte mit dem GPS-Navigator fest, daß ich trotz Konzentration manchmal auf einer Strecke von einigen hundert Metern unbewußt um 90 Grad von meinem direkten Weg abkam. Zwei Stunden, also doppelt so viel als ich einkalkuliert hatte, brauchte ich bis zu dem Steinhaufen und der umgefallenen hölzernen Markierung auf dem Gipfel. Kurz vorher sah ich übrigens die einzige Markierungsstange seit der Abzweigung vom Sandfjordtal.

Der restliche Weg war richtungsmäßig nicht schwierig, da ich ja noch die GPS-Wegpunkte vom Vorjahr hatte. Trotzdem konnte ich damit die Strecke wegen der schlechten Sicht nicht optimieren. Ich hatte sie eigentlich leichter in Erinnerung! Die Zeit drängte! Wo es irgend ging, versuchte ich zu laufen.

Endlich kam der Mehamnelv (elv=Fluß) in Sicht. Noch 15 Minuten, dann müßte der Bus vorbeikommen. Schuhe aus, Watsandalen an und durch. Ob das Kleiderwechseln noch langt? Es langte, bis auf die Jacke.

Der Bus war beheizt. Müdigkeit überfiel mich. Jetzt war ich 5 Stunden pausenlos nur gehetzt. In Lebesby weckte mir eine Tasse Kaffee wieder die Lebensgeister. Das Fischerdorf Lebesby ist übrigens die einzige Ortschaft unterwegs auf 200 Kilometern. Sie besteht aus vielleicht 20 Häusern. Einige sind verfallen. An der Wand im Café links des Ladens hängen Bilder aus vergangenen Jahrzehnten, Aufnahmen vom Fischfang und von Fischerbooten im dem Hafen und fröhliche Kinder auf der damals noch unbefestigten Straße. All dieses und besonders die Kinder sieht man heute nicht mehr ......

Am Campingplatz Solstad, kurz vor Laxelv, lasse ich mich absetzen.

5.      Tag (Montag, d. 01.07.02)

Die Rückreise war sehr bequem mit dem Bus, der sommers täglich von Rovaniemi ans Nordkap und zurück fährt. Gegen Mittag erreichte ich wieder mein Feriendorf (Näverniemen Lomakylä) in Ivalo.

Nachdenkliches

Am  westlichen Ende der Sandfjordbucht sieht man ein Schild mit dem Vermerk, daß das gesamte Gebiet des Sandfjord-Tales laut königlichem Erlaß unter Naturschutz gestellt wurde (für den tonnenweisen Abfall gilt das wohl nicht). Weiter liest man, daß das Einführen von Pflanzen und Tieren verboten ist, da dies die Existenz der einheimischen Flora und Fauna gefährdet (Aha, dachte ich mir, gilt das aber nicht auch für jede Spezies und nicht nur im Sandfjordtal?).

Naturschutzgebiet Sandfjordtal. Im Hintergrund die charakteristische Terrasse.