Schön ist der Klang der Stille für den Wanderer ...

"Sommerfrische" in der Wildmark des östlichen Inarisees

Vorwort

Für das Jahr 2005 beschloß ich, auch mal der Wildmark (Erämaa) im östlichen Teil des Inarisees einen Besuch abzustatten. Diesen Teil kannte ich bisher im Innern nicht, ich hatte ihn allerdings vor ein paar Jahren auf einer Kanutour rund um den Inarisee berührt; aber das wäre eine eigene Geschichte!
Das Gebiet wurde mir als echte Herausforderung beschrieben. Das sollte sich in unerwarteter Weise erfüllen .....

Hinweis: alle Koordinatenangaben erfolgen im finnischen KKJ-Koordinatensystem/Kartendatum

Eigenkritik: mein Reisebericht erscheint zugegebenermaßen für manchen Leser etwas sehr ausführlich. Aber ich schreibe ihn vor allem, um meine Erinnerungen festzuhalten und alles dabei nochmals zu erleben. Tempus fugit, amor manet (die (Lebens-) Zeit zerrinnt, die Liebe (zur Natur) bleibt) ....

Hier mein Reisebericht

1.      Tag (Donnerstag, d. 23.06.05)

Anreise mit der Postbus (Gold Line) von Ivalo nach Nellim. Haltepunkt ist das "Ortszentrum", gebildet durch den Einkaufsladen NILI-AITTA mit streng geregelten Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten. Ansonsten ist hier "tote Hose", meint man angesichts einer Einwohnerzahl von 192 Personen. Von wegen! Hier gibt es sogar Internet für eine geringe Gebühr.

Ende der Zivilisation mit Internetanschluß

Heute wollte ich noch zur Hütte am Kessijärvi, wo auch eine Sauna sein soll. Zu Fuß wären das zunächst 25 km auf einer Sandpiste entlang dem Sperrgebiet (Rajavyöhyke) an der russischen Grenze und dann ein paar Stunden querdurch. Nicht trekkinggemäß frug ich die Ladenbesitzerin nach einem Taxi. Aber das hätte aus Ivalo 42 km anreisen müssen. Schließlich bot sich ihr Sohn an, mich ein Stück auf der Piste zu fahren.
Unterwegs schaute ich immer nach einem Pfadbeginn, da mir gesagt wurde, daß der Pfad bis zum Nammijärvi mit Bändern gekennzeichnet sei. Im Vertrauen darauf verzichtete ich auch auf die teure Wanderkarte "Kessijärvi". Dies war sträflicher Leichtsinn, denn Bänder oder einen Wegweiser konnte ich nicht entdecken.
Anmerkung: später kaufte ich mir doch noch diese Karte (14 Teuronen) , um zu sehen, wo ich überhaupt war und auch, um geographische Angaben zu diesen Bericht machen zu können.
Am Abfluß des Korpikurujärvi in den Merjeslompolo (765700 Nord, 356300 Ost) ließ ich mich aussetzen, da eine Weiterfahrt zu weit von meinem Ziel wegführen würde. Dann schaute ich mir noch die Karte meines Fahrers an (der hatte eine), prägte mir die Nordwestrichtung und die Konturen des Kessijärvi ein, verabschiedete mich mit einem reichlichen Trinkgeld und marschierte los. 
Bald ging es durch sumpfiges, aber ungefährliches Gelände. Am südwestliche Ende des Kessijärvi fand ich ein verfallendes Gehöft auf einer saftigen grünen Wiese und plötzlich auch die gelben Bänder(765719 Nord, 356157 Ost)! Wo die herkamen, sollte ich erst später entdecken.

Der Weiterweg war relativ problemlos, und nach einiger Zeit fand ich auch die offene Hütte (Autiotupa) am Kessijärvi (765922 Nord, 56264 Ost). Wie ich dem Hüttenbuch entnahm, war das Gehöft bis in die 30-er Jahre bewohnt, dann wanderten die lappländischen Bewohner nach Amerika aus.
Besucher sind hier wohl recht selten, die letzten Hüttenbucheinträge waren einige Wochen alt und stammten von Skitourenläufern. Schnee liegt hier bekanntlich ausreichend bis April/Mai.
Als ich die nähere Umgebung erkundete, fand ich tatsächlich am Bach eine Blocksauna. Aber was für eine! Sie wurde erst vor 3 Jahren von der Metsähallitus (Forstverwaltung) hier erbaut und glänzt noch wie neu. Holz gibt es genügend 50 m weiter in einem Schuppen eines weiteren aufgelassenen Gehöfts. Der riesige Ziehbrunnen funktioniert allerdings nicht mehr.
Ein Saunabad mit Abkühlung im Abfluß des Kessijärvi taten gut.

links die neue Supersauna, im Hintergrund die aufgelassene Lappensiedlung

Eine Mobilfunkverbindung gelang nur mit Mühe vom Dach der aufgelassenen Lappensiedlung und nur mit Zusatzantenne.

Den Hüttenofen der offenen Hütte warf ich noch an, stärkte mich und sagte mir Gute Nacht (obwohl zu dieser Jahreszeit die Sonne hier rund um die Uhr recht munter ist). Zum Schlafen zog ich allerdings mein Zelt vor, der Leser weiß sicherlich, warum ...

Gute Nacht (bei bei strahlendem Sonnenschein)!

2.      Tag (Freitag, d. 24.06.05)

Vor dem Weitermarsch heute erkundigte ich mich erst mal nach dem Weg, da die besagten gelben Bänder nicht mehr zu sehen waren. Ich fand Spuren am Ufer, stellte aber irgendwann fest, daß sie von der Hauptrichtung über Kilometer hinweg über 90 Grad rechtsabweichend waren. Also alles zurück. Ich fand schließlich heraus, daß man ab  der aufgelassenen Lappensiedlung nach Norden über die sumpfige Wiese gehen muß, dann findet man auch wieder einen Baum mit einem Band. An einer Pfadgabelung nach einigen hundert Metern sollte man sich rechts bergauf halten (766351 N., 56391 O.). Das Gelände schien mir auf der ganzen Tour überhaupt sehr ungewohnt. Relativ flach, alles im Wald unterhalb der Baumgrenze, keine Aussicht und damit schwierige Orientierung und Fortkommen im Unterholz.

Hier geht's nach Piilola! Aber so deutlich nur hier.

Irgendwann fand ich auch rote und gelbe Bänder, aber der Pfad war klar zu erkennen. Am Punkt 766486 N., 56463 O. war ich allerdings mit meinem Latein am Ende. Ein paar Bänder gehen nach rechts bergauf durchs Niedergestrüpp, allerdings wieder stark rechtsweisend. Also wieder alles zurück. Den Sinn dieser Bänder habe ich auch später anhand der Karte nicht erkennen können.

Man sollte die Bänder also ignorieren und die Pfadspuren nach Norden weiterverfolgen. Irgendwann erreicht man einen riesigen See, und ich glaubte schon, daß dies mein Tagesziel am Nammijärvi sei. Ein Blick auf mein GPS-Navigationsgerät belehrte mich aber eines besseren. Wenigstens die Zielkoordinaten hatte ich zu Hause schon eingegeben!
Wie aber jetzt weiter? Links- oder rechtsherum? Ich entschied mich rechtsherum, da ich linksherum hätte waten müssen. Dies war mein größter Fehler auf dieser Tour, aber das stellte sich erst später heraus.

Der Weiterweg war sehr mühsam über Steinbarrieren, durch Sumpfgelände und Gestrüpp. Man versucht, sich an das Seeufer zu halten, aber das ist genau verkehrt. Das Umgehen von Seitenarmen ist sehr zeitraubend, oder man steht am Seeufer, und es geht nicht weiter. Nieselregen setzte auch ein. Meine Tagesetappe konnte ich so nicht erreichen. Nach insgesamt elf Stunden gab ich auf und bezog mein Lager.

3.      Tag (Samstag, d. 25.06.05)

Frischen Mutes und bei gutem Wetter ging es heute weiter. Entfernungsmäßig waren es ja nur noch wenige Kilometer bis zur erwarteten Hütte am Nammijärvi. Die Überschreitung der langgestreckten Anhöhe Uudenjärvenvaara tat richtig gut; trocken und kein Sumpf mehr. Aber dann sollte es ganz dick kommen. Nach dem Abstieg nur die Moorlandschaft des Kiänujeggi (jeggi = Sumpf, Moor), genau in meine Marschrichtung! Ein Moor ist ja nicht eine durchgehende Morastzone, sie hat auch mäanderförmige, etwas erhöhte Trockenstreifen, auf denen man oftmals weiterkommt. So versuchte ich auch diesmal mein Glück. Nach vielem Hin und Her schaffte ich es bis an das auf dem Bild hinten sichtbare Ufer, es fehlte nur noch etwas. Zurückkehren wollte ich nun nicht mehr, der genaue Weg war ja auch nicht mehr bekannt. Kurzentschlossen warf ich meinen Rucksack über die Sumpfrinne und nahm Anlauf. Das ging ganz gut, bis auf den linken Fuß. Da ich mit den Händen aber guten Halt hatte, war der Rest einfach.

Wanderer, hier mußt Du irgendwie durch, es führt kein and'rer Weg nach Küßnacht... ähhh, Piilola!

Ab hier hatte ich endlich auch eine Kartenübersicht in Form der Topografischen Karte Nammivaara- - Nammijärvi. Nach Bestimmung der Marschrichtung und der Entfernung zum heutigen Ziel müßten es nur noch 800 m sein. Ich bekam aber leise Zweifel, da weit und breit von dem doch riesigen See Nammijärvi nichts zu sehen war. Aber heute war wohl mein Glückstag. Ich kam genau richtig an. Den See konnte man nur nicht sehen wegen hoher Bäume, und weil er auch etwas tiefer liegt.

Offene Hütte Piilola am Nammijärvi

In dem gemütlichen Hüttle (767182 N., 56906 O.) machte ich mich breit, heizte ein zum Sachentrocknen und kochte mir. Da klopfte es, und die Tür ging auf. Dem finnischen Redeschwall meines Besuchers war ich nicht ganz gewachsen, aber nachdem ich mich vorstellte, kamen wir ganz gut zurande. Es stellte sich heraus, daß er sozusagen mein Nachbar von dem Sommerhäusle Piilola etwas weiter nördlich war. Er hatte den Rauch gesehen. Auf die Frage, auf welche Weise er hierher komme, da es ja keinen Weg gibt, sagte er, daß er mit dem Motorboot über den Inarisee bis zum Surnuvuono fahre, dann fünf Kilometer laufen müsse und anschließend mit einem weiteren Boot quer über den Nammijärvi fahre. Als ich ihm beschrieb, wie ich hierher kam, wollte er das zunächst nicht glauben. Er beschrieb mir dann den "richtigen" Weg. Jetzt wurde mir auch klar, wo mein Verhauer begann. Gestern am Kessijärvi hätte ich doch nach links durch die Furt sollen. Aber .... Ende gut, alles gut.

4.      Tag (Sonntag, d. 26.06.05)

Heute wollte ich einen Abstecher nach Norwegen in den Övre Pasvik Nasjonalpark machen. Entfernungsmäßig ist das nicht weit, und auf der Karte ist teilweise sogar ein Pfad eingezeichnet. Der Pfad existiert allerdings nur stellenweise, und man sollte sich nicht darauf verlassen. 

Starten sollte man östlich der Hütte meines gestrigen Besuchers. Nach wenigen hundert Metern den undeutlichen Pfad links nehmen und nicht den deutlichen Pfad weitergehen. Das tat ich zunächst nicht und landete prompt im östlichen Teil des Kiäinujeggi von gestern.
Am nordöstlichen Ende des Kotapaikanjärvi sollte man wieder nach links die Waldschneise benutzen und nicht den nun bequemen Pfad am Seeufer weiterlaufen. Das tat ich natürlich wiederum nicht und landete am Nordufer des Turvejärvi, wo ich gestern ja auch schon fast war.
Im Verlauf der Waldschneise findet man (endlich) wieder Pfadspuren bis zu einem namenlosen Sumpfgebiet. Dies läßt man allerdings links liegen und hält auf auf den flachen Bergrücken Turvemaa zu. Von dem auf der Karte eingezeichneten Pfad ist nichts zu entdecken. Sporadische Spuren unterwegs gehen in alle Richtungen, sind also Verhauer. Ich hielt navigatorisch auf den Grenzpunkt 353L (767102 N., 357202 O.), der finnisch - norwegischen Grenze zu. Diese Grenzpunkte sind häßliche, gelb angesprühte Steinhaufen, welche wirklich nicht in diese Landschaft passen.

Grenze als Umweltzierde

Ich schlupfte unter dem Zaun hindurch und befand mich in Norwegen im Övre Pasvik Nasjonalpark. Da es hier auch nicht anders aussah als in Finnland, schlupfte ich bald wieder zurück. Auf dem Rückweg sollte man hin und wieder mal mit dem GPS navigieren, da das Gelände nicht gerade übersichtlich ist. Bei schönstem Sonnenschein erreichte ich wieder "meine" Hütte.

5. Tag (Montag, d. 27.06.05)

Ein Blick auf die Karte zeigte, daß die gestrige Wanderung trotz Marscherleichterung und bestem Wetter sehr zeitaufwendig war. Mir kamen langsam Zweifel, ob ich mit meinem Zeitkonto den heimlichen Wusch, bis nach Norden durch die Schlucht Routasenkuru, über die Rajapäähütte und Jankkila nach Näätämö noch kommen könnte.

Ich beschloß also, den von meinem Nachbarn beschriebenen Rückweg wenigstens teilweise zu erkunden. Sicher ist sicher ....
Nun, dieser Pfad war (endlich) mal problemlos, und so gelangte ich alsbald zu der von meinem Nachbarn beschriebenen ersten von zwei Watstellen am einem Bach, gebildet durch den Abfluß des Hietikkompolo in den Nuottamajärvi (766824 N., 356692 O.).

Wanderer, hier mußt Du durch, willst Du nach Hause!

Hier rastete ich ausgiebig in der Sonne, lauschte den Kiebitzen und freute mich meines Lebens. Dann ging ich mal auf und ab, um eine potentiell günstige Übergangsstelle zu finden. Aber bei dem Wasserstand würde das nicht mit trockenen Knien gehen. Ich ließ das Weitergehen sein, da ich auf der orographisch rechten Bachseite wieder Zeichen sah. 

Zufrieden kehrte ich wieder um. Mit Ausruhen und Westernlesen verbrachte ich den Rest des Tages und bedauerte, daß hier keine Sauna war. In Sibirien ist man da etwas flexibler. Hier sah ich in der Taiga manchmal geschwärzte Steine mit einem Lattengestell darüber. Darüber deckt man eine Plane, macht Feuer, und fertig ist die Sauna, wenn man Wasser über die erhitzten Steine schüttet. So was habe ich in Lappland noch nicht gesehen. Wenn nur das Gewicht der Plane nicht (auch) noch wäre, könnte man das ja mal versuchen. Aber ein Packpferd - wie in der sibirischen Taiga üblich - kommt bei den hiesigen topgraphischen Verhältnissen leider nicht infrage. 

6. Tag (Dienstag, d. 28.06.05)

Meine Hoffnung, auf Anhieb und in meinem Zeitfenster nach Norden durchzukommen, hatte arge Dämpfer erfahren, wenigstens der "Rückzug" schien problemlos zu sein. Heute wollte ich nochmals eine "letzte" Erkundungstour unternehmen, um dann eine endgültige Entscheidung zu treffen.

Man ist an einem See immer geneigt, einen Weiterweg am Ufer zu suchen, und so drängte ich mich am nordwestlichen Ende der Grasfläche um die Piilola-Hütte meines Nachbarn durchs Gestrüpp; Markierungen/Wegweiser  gibt es hier keine mehr, weder an Bäumen, noch an Steinen. Das ging ganz gut, zumal Spuren durchaus da waren. Das Durchsteigen/Umgehen einiger Steinriegel und Baumleichen ist natürlich zeitraubend.
Irgendwann gelangte ich zum Abzweig am Punkt 766389 N., 569989 O. Natürlich ging ich nach links Richtung See, aber bald stand ich (wieder) in der "Pampa". Das ist zunächst kein Unglück, aber Neuorientierung usw. frißt das Zeitkonto auf. Also wieder zurück und geradeaus weiter. Etwas später komme ich über einen hier typischen Harju (Moräne aus der Eiszeit) zwischen Taimenjärvi und Nammijärvi. Weitere Pfadspuren gingen am nordöstlichen Ufer des Taimenjärvi weiter, verloren sich aber bald. So ging das natürlich nicht weiter, hatte ich doch in 4 Stunden nur 3,5 km Luftlinie geschafft. An das angepeilte Tagesziel Rajavaara in 12 km Luftlinie war also nicht mehr zu denken. Ich ging ganz zurück zum Ufer des Nammijärvi und fand wieder deutliche Pfadspuren nach Nordwesten. Ein Blick auf die Karte zeigte mir, daß das nächste Problem mit Sicherheit am nördlichen Ende des Nammijärvi in Richtung der Kapperijärvet wartet. Ich fand wenigstens ein verblaßtes Schild in Richtung Piilola zurück:

Ende der Fahnenstange!

Nach einiger Überlegung schien es mir sinnvoll, hier umzukehren.
Die deutlichen Pfadspuren rechts unterhalb des Harju wurden bald unsichtbar, aber dann war ich wieder an meinem Abzweig am Punkt 766389 N., 569989 O. Der Weiterweg zurück war problemlos, da ich ihn ja kannte. Irgendwann gingen die sporadischen Trampelspuren jedoch in Richtung nach links. Dies war eigentlich sehr sinnvoll, da die vielen Steinriegel so umgangen wurden. Heraus kam ich recht schnell dann am nordöstlichen Ende der Grasfläche der Piilola-Hütte.  Demnach war ich im Hinweg total ungünstig gelaufen. An dieser Stelle befindet sich aber überhaupt keine Markierung, und so konnte ich mir eigentlich auch keinen Fehler vorwerfen. Allerdings konnte ich es mir jetzt nicht verkneifen, an den Bäumen einige Zeichen anzubringen. Vielleicht ist aber gerade das fraglich, da dies falsche Tatsachen über die zu erwarteten Schwierigkeiten über den Weiterverlauf des "Pfades" vorgaukeln könnte.

Am späten Nachmittag erreichte ich wieder glücklich meine Hütte.

7. Tag (Mittwoch, d. 29.06.05)

Den Rückweg über die Kessijärvihütte wollte ich über den "Normalweg" machen, einmal Jeggi von der gehabten Sorte Kiäinujeggi langte mir. Die erste Furt war schnell überwunden; man überquert sie am besten oberhalb der Stromschnelle. Der Weiterweg ist zunächst erkennbar, nach ein paar hundert Metern ist allerdings nichts mehr zu erkennen. Da das Terrain aber einfach ist - ohne Sumpf, umgefallene Baumstämme und Steinhalden -  hält man sich am Ufer des Nuottamajärvi, stößt auch bald wieder auf deutliche Pfadspuren und gelangt sehr bald an die zweite Furt, gebildet durch den Abfluß des Nuottamajärvi. Wenn ich denke, wie lang der Weg am anderen Ufer des Sees war ....

Die zweite Furt, etwas einfacher

Diese Furt ist bequem. Man muß nicht mal die Schuhe ausziehen, wenn man von Stein zu Stein springt und zum Schluß über ein paar wackelige Baumstämme zu gehen bereit ist. Den Weiterweg nach Süden kannte ich ja bereits. Wer allerdings hierher das erste Mal von Norden kommt, muß schon etwas Suchzeit investieren.
Ohne die gehabten Probleme erreichte ich nach ein paar Stunden bei bestem Wetter wieder die Hütte am Kessijärvi. Die Entspannungssauna mit Schwimmen und Abkühlung im Bach war natürlich obligatorisch.

8. Tag (Donnerstag, d. 30.06.05)

Der Rückweg zu dem verfallenden Gehöft am südlichen Ende des Kessijärvi ist ein angenehmer Spaziergang. Dieses Gehöft befindet sich auf einem kleinen Hügel, und ich sah hier eine größere Rentierherde. Erstaunlicherweise schien sie gar nicht so furchtsam. Als ich näher kam, sah ich inmitten von ihnen - leicht eingerollt - ein weißes Kalb liegen. Natürlich hielt ich Distanz, aber es schien krank zu sein, denn trotz längerer Beobachtung bewegte es sich nicht. Ich hatte den Eindruck, daß die Herde es regelrecht beschützen wollte.

Auf "bebändertem" Weg erreichte ich bald darauf die Sandpiste. Erstaunlicherweise fast genau da, wo ich gestartet war, die Markierungen aber nicht zu sehen waren.

Ab jetzt waren 25 km Hatschen angesagt. Nach fünf Kilometern fand ich doch noch ein kleines verblaßtes Holzschild mit Hinweis zum Kessijärvi, welches ich auf meiner Hinfahrt im Auto übersehen hatte (765542 N. 55984 O.). Zu Fuß sieht man halt doch mehr!

Unterwegs traf ich noch einen Grenzer in einem geländegängigen Wagen, der mich nach woher und wohin frug. Das war gewiß keine reine Freundlichkeit , er wollte natürlich nur herausfinden, ob ich von "drüben" (Rußland) kam. Mitnehmen wollte er mich auch nicht, obwohl er in meine Richtung fuhr. Er hat da so seine Vorschriften. Unterwegs kam ich noch an einem Rentierscheideplatz vorbei. In der Kothe habe ich noch ausgiebig gevespert.

Weit ist der Weg nach Haus

Irgendwann erreicht man die Brücke über den Paatsjoki, welcher der Abfluß des Inarisees in den Varangerfjord bei Kirkenes ist. Gut sichtbar verlaufen die Bojen der finnisch-russischen Grenze. 200 m weiter gelangt man auf die Straße nach Petsamo. Besser gesagt, auf die ehemalige Straße, denn sie existiert nicht mehr. Das Gebiet um Petsamo wurde den Finnen nach dem Zweiten Weltkrieg entrissen. Die Sowjets wollten an die Rohstoffe Kohle und Nickel. Die Bewohner wurden vertrieben. Insofern ähnelt das Schicksal Finnlands dem Deutschlands. Nur ist man in Finnland noch immer wesentlich geschichtsbewußter als bei uns.

Blick nach Rußland vom Paatsjoki aus

9. Tag (Freitag, d. 01.07.05)

Rückfahrt mit dem frühen Postbus nach Ivalo und in das Feriendorf Näverniemien Lomakylä.
In diesem Jahr gab es Mitte Mai einen plötzlichen Eisaufbruch des Flusses Ivalojoki, der die gesamte Straße zur Halbinsel wegspülte.

Notdürftige Reparatur der Straße zur Halbinsel Näverniemi nach Eisaufbruch im Mai

Wie ging's weiter?

Am übernächsten Tag machte ich noch von Inari eine Tour zum Keski Taimenjärvi (Mittlerer Forellensee). Diesen Weg kannte ich größtenteils von Skitouren vor zwei Jahren. Hier gibt es einen schönen Lagerplatz mit Feuerstelle. Die geangelten Forellen, gebraten am Stecken, waren eine Delikatesse. Leider habe ich mein Klappmesser im Eifer des Angelns am Ufer liegenlassen.
Da liegt es heute noch ...

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