Schön ist der Klang der Stille für den Wanderer ...

Trekking von Sevettijärvi nach Nuorgam A.D. 2002

Vorwort

Sevettijärvi ist ein kleiner Ort nördlich des Inarisees und Wohnsitz der Skoltesamen nach der Vertreibung durch die Sowjets aus ihrer Heimat im Petsamogebiet nach dem Zweiten Weltkrieg. Sevettijärvi hat inzwischen gute Busverbindungen und ist Ausgangspunkt zahlreicher Unternehmungen. Einige Bilder sind unter der Schaltfläche "Bildergalerie" zu finden. Von hier machte ich z.B. bereits folgende Touren:

  • Saamen polku bzw. Sä'em peljes (Samen-Pfad) nach Näätämö (leicht, ca. 32 km, bezeichnet).

  • Inarilaispolku nach Karlebottn am Varangerfjord in Norwegen. Er ist ca. 110 km lang. Auf finnischem Gebiet bezeichnet, in Norwegen nur Steinmännle, manchmal nur sporadisch oder fehlend. Hinweis: Die Gipfel des Lav'kavarri und des Lei'dnunvarri sind direkt zu überschreiten!

  • Touren in die Wildmark (Vätsärin Erämaa), z.T. unbezeichnet: zur ehem. Siedlung Jankkila und weiter durch das Enaremyra (myra=Moor, Sumpf) nach Neiden. Oder zum Rajapää (Grenzkopf) mit wunderschönem Hüttchen, in das sich so gut wie keiner verirrt.

  • Kanutour (ca. 140 km) um den Inarisee; etwas anstrengend wegen einiger Umtragungen.

Der Zielpunkt Nuorgam ist der nördlichste Ort Finnlands. Nuorgam liegt direkt an der norwegischen Grenze am lachsreichen Tenofluß. Es besteht nur aus ein paar Häusern, hat aber einen schönen Campingplatz.

Alle Koordinatenangaben erfolgen im finnischen Koordinatensystem und im Kartendatum KKJ. Für Umrechnungen in andere Koordinatensysteme stehe ich gerne zur Verfügung.

Hier mein Reisebericht

1.      Tag (Mittwoch, d. 03.07.02)

Anreise mit dem Postbus (Gold Line) von Ivalo. Einzige Einkehrmöglichkeit und Haltepunkt des Busses in Sevettijärvi ist die Ranta-Baari. Hier wollte ich den Regen abwarten. Man schloß jedoch kurz nach der Ankunft (19 Uhr), so daß ich mich tapfer auf den Weg machen mußte. Übernachtung an einem See in Richtung Opukasjärvi (järvi=See).

2.      Tag (Donerstag, d. 04.07.02)

Heute geht es nur bis zur Opukasjärvihütte. Meine Sachen bedurften einer dringenden Trocknung und dazu schien die Sonne gerade recht. Unterwegs trifft man wieder auf den Motorschlittenweg, den man bereits früher querte. Diesen zahlreich zu findenden Winterwegen kann man im Sommer natürlich nicht folgen, da sie oft über Seen führen.

Hier ein Tip (ohne Gewähr), den mir ein Grenzpolizist an der Opukasjärvihütte gab: wenn man bequemer hierher gelangen will, sollte man der breiten Sandpiste folgen, die man unterwegs quert. Diese Piste geht in den Motorschlittenweg über und trifft kurz vor der Hütte wieder auf den Pfad bei den Koordinaten: 772206 Nord und 55788 Ost.

Wäschetrocknen an der Opukasjärvi-Hütte

3.      Tag (Freitag, d. 05.07.02)

Die nächste Hütte ist die Iisakkijärvi-Hütte (Koordinaten 772908 Nord, 55601 Ost). Auf diesem Weg muß man den Silisjoki (joki=Fluß) ans orographisch linke Ufer queren. Neuerdings gibt es die Möglichkeit, mit einem Boot an einem gespannten Seil ans andere Ufer zu staken (ähnlich wie z.B. am Lemmenjoki). Allerdings war das eine anstrengende Prozedur, da sich alles immer wieder verklemmte. Die seitherige Möglichkeit des Durchwatens ist immer noch schneller, auch wenn der Fluß etwas reißend ist und das Wasser bis über den Bauch reicht.

Da ich bereits mittags die Iisakkijärvi-Hütte ereichte, beschloß ich, zur Huikkimajoki-Hütte (Koordinaten 773744 Nord, 55505 Ost) weiterzulaufen. Unterwegs der Abzweig zur Rousajärvi-Hütte. Dies ist gleichzeitig der Weiterweg auf dem Inarilaispolku nach Karlebotn.

4.      Tag (Samstag, d. 06.07.02)

Der heutige Zielpunkt ist die Tsaarajärvi-Hütte (Koordinaten 774531 Nord, 54845 Ost).  Bei den Koordinaten 774124 Nord und 55262 Ost durchwatete ich den Silisjoki wieder ans orographisch rechte Ufer. Als ich bereits drüben war, sah ich flußaufwärts eine technische Hilfe, wie man sie auch anderweitig findet. Sie besteht aus zwei an beiden Ufern aufgestellten Stangen mit einem gespannten Seil. Längs des Seils läuft eine Rolle mit einem Halteseil. Mit dieser Wathilfe rechnete ich in dieser Urlandschaft gar nicht. Eigentlich braucht man sie auch nicht, und sie trägt auch nicht zur Verschönerung der Landschaft bei.

Im weiteren Verlauf des Weges  passiert man einen Rentierzaun (Koordinaten 774343 Nord, 54991 Ost).

5.      Tag (Sonntag, d. 07.07.02)

Heute geht’s weiter zur Tsoumasjärvi-Hütte (775464 Nord, 54804 Ost). Den Gipfel des Tsaraoaivi (lappisch: oaivi=Berg) läßt man etwas links liegen. Von hier sieht man die riesigen Kolmmesjavrit (lappisch: javrit=Seen). Man hält innerlich etwas an und staunt.

Die Tsuomasjärvi-Hütte ist eine alte Grenzerhütte, umgebaut für Wanderer. Nachdem ich mein Zelt aufschlug, hörten die dauernden Schauer auf und ich beschloß, noch einen Ausflug auf den Tsuomasvaara (vaara=Gefahr(!), Berg) zu machen. Unterwegs begegnete mir ein Ehepaar aus der finnisch/schwedischen Grenzstadt Haaparanta/Haparanda, das mich auf Schwedisch ansprach. Es wollte wissen, wie weit es zur Hütte sei. Die beiden waren total abgekämpft, überausgerüstet und trugen Plastiktüten in den Händen, in denen sich u.a. mehrere Rollen Klopapier(!) befanden. Sie wollten fischen und evtl. den Pfad weitergehen. Letzteres möchte ich aber mit Fug bezweifeln, da sie nach eigener Aussage das Wandern nicht gewohnt waren und der Mann vor Blasen kaum noch gehen konnte. Interessanterweise sei es bei ihnen im Juni sehr trocken gewesen, was ich angesichts der herrschenden Wetterlage kaum glauben wollte, aber auf Grund eigener Erfahrung ist das wohl richtig.

6. Tag (Montag, d. 08.07.02)

Ob ich heute meinen Zielpunkt Nuorgam erreiche? Zu Fuß sind das 35 km und in diesem Gelände nicht zu schaffen.

Unterwegs stößt man auf einen Rentierzaun, welcher gleichzeitig Grenzzaun zu Norwegen ist, rechts eine „Hexenhütte". Die Schneise nach links konsequent bis zu einem gelben Steinhaufen verfolgen. Diese optisch auffälligen, aber in dieser Landschaft häßlichen Gebilde sind fortlaufend numeriert und markieren die Grenze zwischen Finnland und Norwegen.

An der Grenzmarkierung halblinks halten. Endlich sieht man von der Höhe den Polmakjärvi. Die Überschreitung des Zuflusses Polmakjoki bereitet heutzutage keine Schwierigkeiten mehr, da man inzwischen für Schneemobilisten eine Hängebrücke baute.

Am Ufer waren zwei Arbeiter mit Befestigungsarbeiten beschäftigt. Das Glück war mir wieder einmal hold. Man war bereit, mich nach Beendigung einiger Arbeiten nach Nuorgam mitzunehmen. Gemeinsam verrückten wir noch ein Klohäuschen und fuhren los. Unterwegs sah ich meinen ersten Elch in Lappland. Dies ist äußerst ungewöhnlich, da Elche eigentlich nur im Süden von Finnland zu finden sind. Mein Fahrer bestätigte dies und meinte, daß der wohl ausgewandert sei.

Bei strahlendem Sonnenschein erreichte ich schließlich den Campingplatz in Nuorgam.

Hier ein Tip: Wen man nicht so viel Glück wie ich hatte und die 20 km vom Südende des Pulmakijärvi bei Arola - bestehend aus 3 privaten Hütten - nicht über die Sandpiste laufen möchte, dann sollte man es vielleicht mit einem Taxi versuchen. Als Nummer wurde mir in Nuorgam angegeben: 0400 377665. Ob allerdings eine Funkverbindung möglich ist, kann ich nicht garantieren. Evtl. muß man eine Anhöhe ersteigen und/oder auch über ein norwegisches Netz einwählen.

7. Tag (Dienstag, d. 09.07.02)

Heute geht’s mit der Postbus zurück nach Ivalo.

Nachdenkliches

Als ich nach einiger Steigarbeit den Tsuomasvaara (438 m ü. N.N.) erreichte, genoß ich einen herrlichen Rundblick. Man blickt über die scheinbare Unendlichkeit von Horizont zu Horizont , sieht Seen glitzern und die Schatten der Wolken ziehen. Man spürt die Kraft der Schöpfung und erfährt sich als ein Teil von ihr. Ich glaube nicht, daß irgend jemand von diesem inneren Mitschwingen unberührt bleiben könnte.

Laut, aber schön ist der Klang der Stille für den Wanderer ... Blick von unterhalb des Gipfels des Tsuomasvaara in die scheinbare Unendlichkeit.