Schön ist der Klang der Stille für den Wanderer ...

Bärenpfad in der Tundra

Vorwort

In Fortsetzung meiner Trekkingtour vom Sommer 06 war ich im Juni 08 wieder in der Wildnis des finnisch/norwegisch/russischen Grenzdreiecks, um die Spuren der dem Hören nach zahlreichen Bären zu verfolgen. Deren Beuteaas findet man ja hier allenthalben. Als groben Bärenpfad legte ich einen "Weg" zum Dreiländereck Finnland/Rußland/Norwegen auf dem Muotkavaara fest und weiter zum Joukhaisenpesäjärvi, Nammijärvi und Kessijärvi zurück zum Ausgangspunkt. Das Dreiländereck ist auch geographisch interessant, da hier punktgenau drei Zeitzonen am Grenzstein aufeinandertreffen!

Diese Gegend gilt als sehr "bärenreich". Aber ein altgedienter Grenzer versicherte mir (ich spreche finnisch für den Hausgebrauch), daß er in 30 Jahren ! noch nie einen Bären gesehen hat. Das zur Beruhigung (allerdings ohne Haftung) derer, die Angst haben, diese  Gegend aufzusuchen. Allerdings solle man nicht heimlich herumschleichen, sondern sich akustisch auffällig verhalten. Also sang ich, pfiff und klapperte mit meinen Trekkingstöcken.

Hinweis: alle Koordinatenangaben erfolgen in Klammern im finnischen KKJ Kartendatum; der erste Wert ist der Nordwert, der zweite der Ostwert. 

Hier mein Reisebericht

1.      Tag (Montag, d. 16.6.08)

Wieder Anreise mit der Postbus (Gold Line) von Ivalo nach Nellim. Haltepunkt ist das "Ortszentrum", gebildet durch ein Haus mit dem Einkaufsladen "NILI-AITTA - Halpa Kauppa"  (764097/55293) mit streng geregelten Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten. Ab hier sollte ich für vier Tage in einem Funkloch stecken!

Da ich am ersten Tag trotz Helligkeit keine 25 km mehr hatschen wollte, und es bei 80 Einwohnern hier kein Taxi gibt, fuhr mich eine nette Dame bis an den Zaun zum Grenzsperrgebiet (765995/56715). Von hier nach links (nicht rechts!) praktisch immer dem Grenzzaun lang zum Ristijärvi (766120/56975) und Luppojärvi (766132/57122) zu einer großen Grenzerstation (766207/57320) am Nordostende des Käyräjärvi.

Diese Station ist nicht über Fahrwege erreichbar. Man kann zwar noch den Hubschrauberlandeplatz ausmachen, aber ansonsten fristet sie inzwischen ein trauriges Dasein. Die Unterkünfte sehen noch wie neu aus (Parkettboden), aber im Haupthaus hat jemand die Dachfenster eingeschlagen, so daß Wind, Schnee und Eis das Innere demolieren. Schade für ein historisches Zeitzeugnis!
Wie ich den Unterlagen entnahm, wurde die letzte Wartung des Elektrogenerators am 20.10.1992 ausgeführt. Danach wurde die Station aufgelassen. 

Ehem. demolierte Grenzerstation. Zu Johannis gibt's noch Schnee- und Eisreste

 

2.      Tag (Dienstag, d. 17.6.08)

Heute wollte ich mal sehen, was aus dem Elchaas geworden ist, das ich vorletztes Jahr an der Grenze zu Norwegen fand. Auf Grund der bekannten Koordinaten fand ich den Ort leicht wieder (766666/57471). Ich sah nur ausgebleichte Knochen; das Fleisch war natürlich inzwischen weg.

 

Solche Knochen liegen haufenweise hier rum

Um 14:10 Uhr erreichte ich die Joukhaisenpesäjärvihütte (766765/57294). Diese Hütte ist (leider) verschlossen und bietet somit keine mögliche Unterkunft. Sie war aber mit Sicherheit auch eine Grenzerhütte, wie man an den Stümpfen der Telegraphenstangen erkennt. Bis 15:10 Uhr machte ich im Sonnenschein eine ausgiebige Rast. Der "Weiterweg" ist weglos, erfolgt aber  immer der alten Telegraphenlinie lang, wobei man drei unbegehbare Sümpfe weiträumig nach links (!) umrunden muß.

Dann wird das Terrain leichter und ich schritt munter der Telegraphenlinie lang, blieb aber dann doch im Sumpf stecken. Ich mußte einige waghalsige Sprünge über Sumpflöcher machen, da ich zu faul war zurükzugehen. Das war sehr leichtsinnig, aber das realisierte ich erst im nachhinein. Bei der letztmaligen Tour ging ich am Punkt (767107/56978) um 90 Grad östlich nach rechts.

Um 18:00 fand ich wieder eine Knochensammlung von Elchen (767175/56993). Wie man auf dem Bild sieht, hat der Elch im Kiefer ein doppelreihiges Gebiß, was mir neu war. 

 

Reste eines Bärenmahls

 

Um 18:40 Uhr erreichte ich die wunderschön gelegene Piilolahütte (767182/56906), die natürlich auch eine ehemalige Grenzerstation war.
In der Hütte waren noch zwei Fischer. Unglaublich, was die eine Ausrüstung dabeihatten; bestimmt eine halbe Tonne! Als ich frug, wie sie das alles hier hergeschafft haben, sagten sie, mit einem Wasserflugzeug sei das ganz leicht! Da kam ich mir mit meinen 20 kg ganz bescheiden vor.

 

Piilola Wildmarkhütte

 

3.      Tag (Mittwoch,  d. 18.6.08)

Um 9:50 Uhr Aufbruch zur Kessijärvihütte. Die erste Furt zwischen dem Kivilompolo (Bach) und Nuottamajärvi (766824/56692) ersparte ich mir mit Hilfe einer selbstgebauten Spezialkonstruktion. In zwei glitschige Stämme verkeilte ich einen Stein. Nach dieser Schlüsselstelle ist man zwar noch lange nicht auf der anderen Seite, aber über eine kleine Insel und mit etwas jonglieren ging es in 15 Minuten.

Waten kann ganz leicht sein!


Um 13:00 Uhr erreiche ich eine zweite Furt an Abfluß des Nouttamajärvi (766639/56616). Hier machte ich bei strahlendem Sonnenschein eine einstündige Rast. Offenbar will die Metsähallitus (Forstverwaltung) hier eine Hütte bauen. Die gelagerten Materialien lassen diesen Schluß zu.
Hinweis: wenn man in umgekehrter Richtung - also zum Kessijärvi - will, sollte man unbedingt diese Furt benutzen und nicht rechts nach Osten ausweichen. Das kostete mich vor drei Jahren zusätzliche zehn Stunden in einem unübersichtlichen Sumpf- und Waldgebiet!

 


Die Furt läßt sich auf Baumstämmen problemlos meistern. Der Weiterweg nach Südwesten ist nicht gleich zu finden. Am Punkte 766063/56348 sollte man halbrechts gehen, der deutlichere Weg nach links ist ein Verhauer und kostete mich schon vor drei Jahren einige Zeit.
Um 17:30 erreiche ich die Kessijärvihütte (765922/56264). Wenn man seine Mobilfunke benutzen will, hat man evtl. Glück, wenn man aufs Dach steigt. Daher habe ich die Leiter dazu stehen lassen.

 

 

Ein Saunabad und schwimmen im Fluß taten gut. Die Sauna liegt ca. 50m jenseits eines wackeligen Flußstegs, ist aber wie neu.

 

4. bis 7. Tag (19. bis 21.6.08)

Mittsommer (Johannis) wollte ich schon immer mal in der Wildmark "feiern".  Diesmal hatte ich sogar  Nachbarn. Sie besitzen eine Hütte auf der freien Fläche am jenseitigen Ufer und sind nur zwei- dreimal im Jahr hier.
Ich machte ein paar Ausflüge in der Umgebung und traf auf der Halbinsel auf der Nordostseite des Kessijärvi (765949/56329) wieder auf Rentieraas.

Aas eines Rentierkalbs (noch im Winterfell). Fellreste sind weit verstreut.

 

8. Tag (Sonntag, d. 22.6.08)

Heute wollte ich zurück nach Nellim. Den Weg kannte ich ja als einen 25km-Hatscher, aber wenn man nach zwei Stunden die Sandpiste erreicht, ist das Wandern zwar etwas eintönig, aber man kommt doch gut vorwärts.

Unterwegs kommt man an einem Rentierscheideplatz (Poroerotuspaikka) mit den Koordinaten 765207/55747 vorbei. Es gibt hier ein großes Kothenzelt, wo ich einen Gewitterregen abwartete. Viel  Schrott jeder Art liegt hier her herum, was leider symptomatisch (auch) für den Norden ist. Fast normal ist es, daß vier oder fünf Autogenerationen entbeint vor den Häusern im Vorgarten liegen. Eine umweltgerechte Entsorgung von Problemabfällen vermißt man vielerorts.

Ich erreichte um 18:48 Uhr Nellim, wo ich an einem kleinen See mein Lager aufschlug.

9. Tag (Montag, d. 23.6.08)

Mit dem Bus fuhr ich frühmorgens nach Ivalo. Erstmals hatte ich von unterwegs wieder seit Tagen eine Funkverbindung zu meinen Angehörigen, welche sich verständlicherweise schon Sorgen machten. Am übernächsten Tag erreichte ich mit Bus und Zug wieder mein Blockhaus in Nordostfinnland.

 

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